Qigong,
Tai Chi Chuan, TC- Gymnastik, Gesundheitspflege
Besonders in unserer gestressten Zeit, dem sogenannten
Informationszeitalter und der damit verbundenen Reizüberflutung suchen
viele Menschen einen Ausgleich, etwas wo sie loslassen können, einlassen
auf sich selbst und auf das was geschieht.
Mitte der 80er bis Mitte der 90er Jahre wurden viele
Gesundheitsübungen großzügig von den Krankenkassen angeboten
oder gefördert. In diesen Bereich wurden auch immer mehr Tai Chi Chuan
und Qigong Kurse angeboten.
Im Zuge der Kosteneinsparungen im Gesundheitswesen wurden
solche Kurse als allgemeine Gesundheitsvorsorge und somit als nicht
förderfähig eingestuft. Mittlerweile hat hier wieder ein Umdenken
eingesetzt und einige Krankenkassen bieten nun wieder für ihre
Mitglieder selbst solche Kurse an. Tatsache ist, solche Übungen dienen
der Gesundheitspflege und vielem mehr.
Doch was ist Qigong?
Qigong ist erst nach der chinesischen Kulturrevolution zu
einem modernen Sammelbegriff geworden. Es hat viele Ausdrucksformen wie z.B.:
Gesundheitspflege, TCM (Traditionelle chinesische Medizin), Tuschemalerei,
Meditationstechniken, Kampfkünste, alchimistische Techniken etc. Vor der
Kulturrevolution war Qigong nur ein Begriff aus der Kampfsporttechnik. Wir
wollen trotzdem einfachheitshalber von Qigong-Tradition im weiteren Sinne
sprechen.
Der Begriff Qigong setzt sich zusammen aus:
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Qi = Lebensenergie, eine feinstoffliche Substanz, die
alles Leben
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und den Kosmos durchdringt. Es wird vorwiegend
aufgenommen durch Atem und Nahrung. Der Begriff hat sehr viele Bedeutungen
und ist auch im chinesischen nur schwer beschreibbar.
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Gong = Arbeit, Fähigkeiten, Techniken,
Übungsmethoden.
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Zusammenfassend lässt es sich in etwa als "Arbeiten an und mit der Lebensenergie"
übersetzen. Weil im Qigong der Atem benutzt wird, kam es
fälschlicher weise als Atemtechnik in den Westen.
Der Ursprung liegt in der mystischen Vorzeit,
weit vor den großen Religionen wie Daoismus und Buddhismus. Durch
Naturkatastrophen und Kälteeinbrüche sollen vor ca. 6000 bis 10000
Jahren die Menschen in ihrer großen Not und in tiefer Frömmigkeit
solche Katastrophen als Strafen in Demut angenommen haben. Mit der Zeit
stellten sie fest, dass irgendetwas, was sich im Körper spürbar
abspielte, sie am Leben erhielt. Dies kann man als die Geburtsstunde des
Qigong bezeichnen. Es war ein Üben aus einer inneren Ruhe und ohne
konkrete Erwartung und Vorstellung. Durch Kultivierung dieser inneren
Erscheinungen und äußeren Übungen haben sich verschiedene
Übungssysteme bzw. Schulen und Stilrichtungen gebildet. Diese
Übungen wurden zum Teil auch von den Religionen übernommen und
haben so im Daoismus und Buddhismus überdauert. Die äußeren
Übungen können als traditionelle Gymnastik bezeichnet werden, und
sind im eigentlichen Sinne keine Qigong Übungen. Im Vordergrund steht
dabei die Bewegung, die jedoch mit Aufmerksamkeit und Konzentration
ausgeführt werden. Sie sind für unser westliches Verständnis
von Körperlichkeit eine gute Einstiegsmethode ins Qigong. Beim
Übungen aber auch in der TC- Medizin und TC- Massagen usw. wird Qi mit
einbezogen. Ohne eine Einbeziehung von Qi kann man nicht von TC- Methoden oder
gar von Qigong sprechen.
Qi ist das Medium, das die Brücke vom
Körperlichen zum Geistigen bildet. Alle
traditionellen Qigong-Schulen arbeiten nach diesem Prinzip. Ihr Schwerpunkt
liegt, je nach Stil / Schulrichtung mehr oder weniger auf das unmittelbare
innere und äußere Arbeiten auch mit innerer und äußerer
Alchemie.
Die Qigong-Schulen lassen sich grob in zwei Gruppen
unterteilen:
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daoistische Schulen, z.B.: Die Taijimen-Schule
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Buddhistische Schulen, z.B.: Die Mi-Schule
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Die Überlieferung erfolgte stets im Geheimen
und wurde nur innerhalb der Schulen weitergegeben. Das gesamte Wissen wurde
meist nur an zwei bis drei Schüler für die nächste Generation
vermittelt. Im Laufe der chinesischen Geschichte kam es jedoch immer wieder
zu Unterdrückung der einen oder anderen Schule, so dass diese in den
Untergrund abgedrängt wurden. Dadurch kam dieses Wissen zum Teil auch
Menschen außerhalb der Schulen zu Gute. Zuletzt wurde in der Zeit der
Kulturrevolution alles verboten, was in Verbindung mit Religion oder Qigong
in Verbindung gebracht werden konnte. Viele Lehrer sind deshalb auch
ausgewandert und es kam zu einem großen Bruch in der Qigong Tradition.
Um mich nicht in den zehntausend Dingen zu verlieren, will
ich mich auf die Betrachtung und Zusammenhänge des bewegten und stillen
Qigong beschränken.
Der Daoismus kennt drei Sphären:
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Ebene der Materie, des Ausgeformten
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Ebene des Halbausgeformten (z.B.: Meridiansystem)
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Ebene der Unausgeformten, des potentiell Vorhandenen, im
Keim angelegten
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Diesen drei Ebenen entsprechend, kann man auch die
verschiedenen Übungssysteme einteilen, umso weniger konkret, umso höher
stehend die Übung. Mit den Übungssystemen der ersten Ebene z.B.:
Sport etc. wird Lebensenergie verbraucht. Umso höher stehend eine
Übung ist, umso mehr Energie bleibt erhalten, oder wird hinzugewonnen.
So kann dann aus der Essenz (der noch materiellen Lebenskraft) Qi
gewonnen werden und später Qi in Shen (Geist) umgewandelt werden.
Diesen Vorgang nennt man innere Alchemie.
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Übungen der ersten Ebene sind z.B.: Joggen,
Fußball, etc.
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Übungen der zweiten Ebene sind z.B.: Meditative
Übungen mit den Meridianen.
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Übungen der dritten Ebene entstehen von selbst, aus
tiefer innerer Ruhe
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Die
Trennung der drei Ebenen ist nicht so strikt. So sind zum Beispiel die 18
Bewegungen oder die 8 Brokate je nach Ausführung, noch der ersten oder
schon der zweiten Ebene zuzuordnen. Das Tai Chi Chuan kann sowohl nur auf der
sportlichen Ebene ausgeführt werden, als auch gar bis in die dritte
Ebene reichen.
Ein wesentlicher Aspekt des Qi Gong ist es, die
Vorstellungskraft als einen weiteren Sinn des Menschen
zu schulen, um im weiteren Übungsverlauf /- fortschritt alle Sinne
abschalten zu können um zur Formlosigkeit zu kommen.
Die höchste Stufe von Übungen sind die nicht
formgebundenen Übungen. Aber wie will man etwas
üben, was keine Vorgabe, keine Form und keine Gestalt hat.
Formloses Üben bezeichnet
man als den Weg von innen nach außen. Aus der Ruhe entsteht Bewegung im
Körper und Bewegung des Körpers. Diese Art des Übens ist nur
möglich bei einem engen Meister-/Schülerverhältnis und
erfordert ein mehrjähriges Zusammenleben von Meister und Schüler.
Ein Meister kann hierbei nur sehr wenige, oder gar nur einen Schüler
haben. Dieses Meister-/Schülerverhältniss ist in der Neuzeit und
vor allem im Westen nicht möglich. Es bietet sich der Weg von außen
nach innen, vom formgebundenen Üben zu immer mehr formlosen Üben
an. Hier ist der Einstieg leichter und der Übungsfortschritt einer
Gruppe verläuft gleichmäßiger. So können mehrere
Schüler von einem Meister gleichzeitig unterrichtet werden. Wichtig ist,
dass man nicht bei einer Übung, Übungsreihe, auf einen
Übungsstand stehen bleibt, sondern fortschreitet, zu höheren
Übungsmethoden.
Das Prinzip heißt: "Ist der Fluss überquert, so ist es nicht
notwendig das Boot mit sich herumzuschleppen".
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